RÜCKBLICK 2003

Der Schlittelhügel bleibt uns erhalten!

01. Dezember 2003

 
In der Revision der Bau- und Zonenordnung, die an der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 2003 zur Abstimmung gelangt, ist die Einzonung im Gebiet Schweikrüti (Schlittelwiese) nicht mehr enthalten.

Im Weisungsheft der Gemeinde Thalwil ist dazu folgendes nachzulesen:
 
«Einzonung Schweikrüti
 
Die in mehreren Einwendungen formulierte grosse Opposition gegen eine Einzonung im Gebiet Schweikrüti zeigt, dass eine solche, auch in reduzierter Form, wie sie in einer Einwendung angeregt wurde, zur Zeit politisch keine Chance hat. Sie ist deshalb in der bereinigten Vorlage nicht mehr enthalten.
 
Eine Einwendung schlug vor, jenen Teil der öffentlichen Zone Schweikrüti, der früher für ein ökumenisches Zentrum vorgesehen war, dafür aber nicht mehr benötigt wird, in eine Wohnzone umzuteilen. Dieser Vorschlag wird als grundsätzlich sinnvoll erachtet, erfordert aber weitergehende Abklärungen und soll deshalb erst im Rahmen einer späteren Gesamtüberprüfung des Zonenplanes im einzelnen diskutiert und beschlossen werden.»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlittelwiese und Grüngebiet nicht verbauen

28. Juli 2003

 

 

Warum Martin Pfenninger und der Dorfverein Gattikon gegen die Einzonung im Schweikrüti kämpfen.
    
Will das Grüngebiet im Bereich des heutigen Maisfelds vor den Baumaschinen retten: Martin Pfenninger, Präsident des Dorfvereins Gattikon. Arthur Schäppi
 
«Der Gattiker Schlittelhügel darf nicht einer Überbauung geopfert werden»: Martin Pfenninger erklärt, warum der von ihm präsidierte Dorfverein Gattikon sich gegen eine vom Gemeinderat Thalwil beabsichtigte Einzonung vis-à-vis der Schulanlage Schweikrüti wehrt.


Martin Pfenninger, mit der Teilrevision der Thalwiler Bau- und Zonenordung, die im Dezember an die Budgetgemeindeversammlung kommt, will der Gemeinderat unter anderem auch die bisherige Freihaltezone südwestlich der Schulanlage Schweikrüti im Ortsteil Gattikon in eine zweigeschossige Wohnzone umwandeln. Je nach Überbauungskonzept könnten dort auf 10 000 Quadratmetern Gemeindeland 20 bis 30 Wohneinheiten entstehen. Was missfällt Ihnen und dem Dorfverein Gattikon daran?

Martin Pfenninger: Der Vorstand des Dorfvereins Gattikon ist der Ansicht, dass das betroffene Grüngebiet zwischen Waldrand und Schulanlage Schweikrüti als Schlittelhügel für die Kinder und als Erholungslandschaft für die heutigen Einwohner von Gattikon und Thalwil, aber auch für spätere Generationen erhalten bleiben muss. Im demnächst auslaufenden öffentlichen Auflageverfahren wollen wir den Gemeinderat mit einem Antrag dazu bewegen, auf die geplante Einzonung in der Vorlage zu verzichten. Über die Bau- und Zonenordnung entscheiden wird letztlich die Gemeindeversammlung.
Eine vernünftige Siedlungsgrenze ist in diesem empfindlichen Gebiet zwischen Schweikrüti und dem nahen Waldrand mit Aussichtspunkt erreicht. Mit der Einzonung würde nun ein Keil ins dortige Erholungsgebiet getrieben. Wertvoller Grünraum und auch Ackerland (derzeit ein Maisfeld) des gemeindeeigenen Bauernhofs Sihlhalde gingen unwiederbringlich verloren. Dass die Bevölkerung keine Wohnsiedlung in diesem Gebiet will, hat sie 1993 bereits deutlich zum Ausdruck gebracht. Schon damals wurde eine Einzonung an der Gemeindeversammlung abgelehnt. Seither ist sicher kein Stimmungsumschwung eingetreten. Im Gegenteil: Grüngebiete werden auch in der Gemeinde Thalwil immer rarer.

Weil aber seit 1993 das wenige in Thalwil noch verfügbare Bauland weiter überbaut worden sei und es für qualitativ hoch stehenden Wohnraum praktisch keine Reserven mehr gebe, sei es vertretbar, dieses Gebiet nun zur Überbauung freizugeben, argumentiert der Gemeinderat im Text zur öffentlichen Auflage. Mit einer Gestaltungsplanpflicht solle zudem eine «architektonisch und ortsbaulich hoch stehende» Lösung garantiert werden. Das tönt doch nach einem sorgsamen Umgang mit dem Boden?

Es geht uns nicht um die Frage, ob dort nun eine schlechtere oder bessere Siedlungsvariante mit Gestaltungsplan realisiert wird, sondern um das grundsätzliche Anliegen, dass der dortige Grünraum und Schlittelhang nicht angetastet und damit auch nicht überbaut wird.
Auch uns ist klar, dass das Bauland in Gattikon und im übrigen Gemeindegebiet nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Damit sind dem Wachstum von Thalwil durchaus gesunde, vernünftige und natürliche Grenzen gesetzt. Die sollte man doch respektieren. Auch wenn gemäss den vorliegenden Planungen der Aussichtspunkt am Waldrand nicht direkt beeinträchtigt wäre und zwischen Waldrand und neuer Siedlung noch ein Grünstreifen übrig bliebe, ändert das nichts daran, dass der Gattiker Schlittelhügel und das Landschaftsbild dort als Gesamtes nachher «futsch» wären.

Soll sich Thalwil also in Zeiten, wo die Steuergelder nicht mehr so üppig wie auch schon fliessen, einen «ansehnlichen Ertrag» - so der Gemeinderat wörtlich - aus dem Verkauf von 10 000 Quadratmetern Gemeindeland einfach entgehen lassen?

Die Gemeindefinanzen in Thalwil sind keineswegs derart schlecht, dass die Gemeinde auf einen solchen ausserordentlichen, einmaligen Ertrag angewiesen wäre und deshalb wertvolles Land verscherbeln müsste. Mit dem steuerpolitischen Aspekt lässt sich diese Einzonung beziehungsweise der Verkauf des Landes, bei einem Steuerfuss von tiefen 77 Prozent, nicht rechtfertigen. Statt den Boden am heutigen Siedlungsrand von Gattikon auf die Schnelle in Geld umzuwandeln, sollte das Gebiet im Sinne der Nachhaltigkeit als natürliches Kapital späteren Generationen weitergegeben werden.

Ist die ablehnende Haltung des Dorfverein-Vorstands zur Einzonung Schweikrüti überhaupt repräsentativ für die Bevölkerung von Gattikon?

Davon sind wir im Vorstand überzeugt. Und zwar nicht nur, weil die Einzonung vor zehn Jahren bereits verworfen wurde. Auch Reaktionen aus der Bevölkerung, etwa beim Gattiker Spielzeug-Flohmarkt von Anfang Monat, als wir erstmals mit einem Plakatstand informierten und spontan Unterschriften sammelten, sind ein klares Indiz dafür. Ingesamt haben wir mittlerweile etwas über 70 Unterschriften beisammen. Unterschrieben haben nicht nur Anwohner, sondern Einwohner aus ganz Gattikon, teilweise auch aus dem übrigen Gemeindegebiet.
Auch am öffentlichen Stamm des Dorfvereins vom 9. Juli, als im Rahmen der Diskussion auch Bauvorstand Hans Möhr den Standpunkt der Gemeindebehörde darlegen konnte, war der Tenor bei den rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern klar gegen die Aufhebung der Freihaltezone. Es gab viele kritische Fragen, aber kein einziges Befürworter-Votum aus dem Publikum. Ein wichtiges Argument von Bauvorstand Hans Möhr war am Stamm, dass preisgünstiger Wohnraum geschaffen werden könne. Dies steht doch diametral entgegen dem Auflagetext, wonach «qualitativ hoch stehender Wohnraum» entstehen soll. Dieses Argument ist für uns schlicht nicht nachvollziehbar.

Wie aber wollen Sie im Hinblick auf die Gemeindeversammlung zur Teilrevision der Bau- und Zonenordnung die übrige Gemeindebevölkerung für Ihr Anliegen gewinnen? Vielen Thalwilern aus dem «Dorf» dürfte doch ziemlich egal sein, was jenseits der Autobahn im Ortsteil Gattikon im Sihltal geschieht.

Das fragliche Gebiet in der Schweikrüti ist über Gattikon hinaus von Bedeutung und vielen Thalwilerinnen und Thalwilern auch vertraut. Es ist ein Spazier- und Wandergebiet für alle Thalwiler. In der Nachbarschaft befindet sich die Schulanlage mit dem Hallenbad. Der Vita-Parcours und die Finnenbahn beginnen ganz in der Nähe. Im Winter schlitteln hier Kinder aus ganz Thalwil und nicht nur aus Gattikon. Deshalb ist die Einzonungsfrage in Gattikon der übrigen Bevölkerung von Thalwil wohl kaum egal. Sicher gibt es gegenwärtig noch ein Informationsmanko. Wir wollen daher die Bevölkerung im Hinblick auf die Gemeindeversammlung für unsere Anliegen sensibilisieren und über die Konsequenzen einer Einzonung breit informieren.

Das Interview erschien im Sihltaler vom 22. Juli 2003 und im Thalwiler Anzeiger vom 26. Juli 2003, Autor: Arthur Schäppi.

 

 

 

 

 

 

 

Unser Schlittelhügel soll überbaut werden!

 

 

09. Juli 2003

Am 9. Juli 2003 lud der Dorfverein Gattikon die Einwohnerinnen und Einwohner von Gattikon und Thalwil zu einer Informationsveranstaltung anlässlich der aktuell geplanten Teilrevision der Bau- und Zonenordnung ein. Das Hauptanliegen betraf den Schlittelhügel in der Freihaltezone neben dem Schulhaus Schweikrüti, der neu in die Bauzone überführt werden soll.


Mit einigen einleitenden Worten eröffnete der Präsident Martin Pfenniger die Informationsveranstaltung. Er zeigte anhand von Ortsplänen und Fotos, welche Teile des "Schlittelhügels" von der Umzonung betroffen sind. Es handelt sich dabei um gut 10'000 m² Land, das zur Zeit grösstenteils vom gemeindeeigenen Bauern mit Futtermais bepflanzt ist. Nicht zum ersten Mal schlägt der Gemeinderat vor, diesen grünen Hügel am Waldrand zum Naherholungsgebiet Sihlwald zu überbauen. Letztmals hatte die Thalwiler und Gattiker Bevölkerung im Jahre 1993 die Einzonung erneut abgelehnt. Der Bauvorstand Hans Möhr erläuterte den Anwesenden, dass im Zuge der regelmässigen Überprüfung und Anpassung der bestehenden Bau- und Zonenordnung an die gewandelten Bedürfnisse nun auch das Land am Schlittelhügel derart attraktiv sei, dass es eingezont werden soll. Das Land gehört der Gemeinde Thalwil. Auf dem Gemeindegebiet Gattikon sind das Areal "Weiherhaus" und das Land vor dem bestehenden Schulhaus Schweikrüti noch ungenutztes Bauland. Trotzdem soll die zusammenhängende Grünfläche für die Überbauung mit 20 bis 30 einfachen und lichtdurchfluteten Wohneinheiten freigegeben werden (Wohnzone W2).

Zusammen mit einer Gestaltungsplanpflicht wird das entweder die Bebauung mit mehreren Ein- oder Zweifamilienhäusern oder mit 2 bis 3 grösseren Häuserkomplexen bedeuten. Die Motive der Baukommission, die der Gemeinderat so akzeptiert hat, sind vorab das Bedürfnis nach preisgünstigem Wohnraum innerhalb Thalwil und damit einer guten Durchmischung der Bevölkerungsstruktur in der Gemeinde. Der Schlittelhügel würde sich diesbezüglich für die Überbauung mit preisgünstigen Wohneinheiten vor allem für junge Familien eignen. Es werde auch nicht der Hügel selbst, sondern nur der Fuss des Hügels bebaut. So würde zum Beispiel der Aussichtspunkt oben am Waldrand belassen.

Die den Ausführungen von Bauvorstand Möhr folgende Diskussion kritisierte zum Teil in hitzigen und emotionalen Voten das Motiv des "preisgünstigen Wohnraumes". Angesichts der aktuellen Bodenpreise im Raume Thalwil sei es undenkbar, wirklich preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, der dann auch tatsächlich von jungen Familien genutzt werde. Es wurde auch vorgebracht, dass die Lärmemissionen des Schulhauses zu anhaltendem Konfliktstoff mit den zukünftigen Nachbarn werden würde. Auch müsse dem Schulhaus, das bereits heute eher klein bemessen sei, Raum zum Wachsen belassen werden. Schliesslich wurde überwiegend darauf hingewiesen, dass es vor allem in Hinblick auf die folgenden Generationen kaum sinnvoll sei, den einzigartigen zusammenhängenden Grüngürtel zu überbauen, solange die Gemeindefinanzen noch keinen prekären Tiefstand aufweisen und in Gattikon zur Zeit rund 30 Eigentumswohnungen und zwei Einfamilienhäuser mangels Kaufinteressenten freistünden. Einmal überbaut, sei diese grüne Oase unwiederbringlich verloren.

Der Dorfvereinspräsident schloss die Diskussion mit dem Hinweis, dass der Vorstand des DVG zuhanden des Gemeinderates fristgerecht Antrag gegen die geplante Einzonung stellen werde. Bauvorstand Hans Möhr und der Dorfvereinspräsident forderten abschliessend alle Interessierten und Engagierten auf, an der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 2003 (Budgetversammlung) zahlreich zu erscheinen und die jeweiligen Ansichten während der Versammlung und durch jede Stimme gewichtig zu vertreten.  

Simone Küttel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


 

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