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RÜCKBLICK 2002

Gattikoner Stamm

06. September 2002
 
Eine Tagesschule für Thalwil?
 
(az) Den bejahenden Standpunkt vertrat Monika Abouchar, den ablehnenden für den Gemeinderat und die Schulpflege, deren Präsident Daniel Tewlin.
Monika Abouchar begründete ihren Vorstoss mit dem Hinweis auf die sich im Gange befindende Bildungsreform, die das Thema der ausserschulischen Betreuung erneut aufleben lasse. Schon vor 20 Jahren stand es zur Diskussion, wurde dann aber abgelehnt. Inzwischen hätten sich die Familienstrukturen stark verändert, immer mehr Frauen seien beruflich engagiert und möchten ihre Kinder ausserschulisch betreut wissen. Die Tagesschule böte ihnen ein gemeinsames Mittagessen, eine Aufgabenhilfe und betreute Freizeitaktivitäten.
Sollte der Initiative zugestimmt werden, so die Initiantin, müsste gemäss dem Initiativtext nach spätestens 12 Monaten ein detailliertes Tagesschulprojekt erstellt und zur Abstimmung gebracht werden. Bei dessen Annahme durch die Stimmberechtigten muss die Schule nach Ablauf der darauf folgenden zwei Schuljahren den Betrieb aufnehmen.

Das noch-Nein von Schule und Gemeinderat
 
An sich, erklärte Daniel Tewlin, sei er einer Tagesschule nicht abgeneigt, allein, die Forderung komme zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn Ende November gelange das neue Volksschulgesetz zur Abstimmung, das die Gemeinden zu ausserschulischen Angeboten verpflichtet, falls Bedarf vorhanden ist. Zu bedenken gebe es, dass in Thalwil die nötige Infrastruktur fehle und der Schulbetrieb hohe Kosten verursache. Er wählte dabei das Beispiel Zürich, wo zwei Prozent aller Primarschüler die dortigen Tagesschulen besuchen. Umgelegt auf die Schülerzahlen in Thalwil bei ähnlicher Nachfrage würde es sich um 20 Kinder handeln, die in den Genuss dieser Schule kämen. Sollte die Nachfrage höher sein, müsste das Los entscheiden. In Zürich beträgt der Tagesansatz pro Kind zwischen 5.60 und 50-60 Franken. Von sich aus könnte die Gemeinde die Kosten verkraften, vorausgesetzt, sie würden entsprechend aufgeteilt. Allein, ein Teil müsste dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Das wäre ungerecht.

Die Sicht des Sozialvorstandes
 
Gemeinderat Hans Langenegger würde die Tagesschule in dem Sinne
begrüssen, dass hier wenigstens ein, wenn auch kleiner Teil der Schüler betreut werde, weil es sich später sozial auszahle. Im gemeindeeigenen, von der Gemeindeversammlung abgesegneten Konzept für ausserschulische Betreuung ist die Tagesschule auch aufgeführt. Bereits gibt es in der Gemeinde 300 Mittagsplätze. Die Tagesmütter werden vom Sozialamt entschädigt. Es gibt ein erweitertes Hortangebot mit Tages-, Halbtages-, Mittags- und Freizeithort. Die Elternräte der verschiedenen Schuleinheiten bieten wöchentlich einen betreuten Mittagstisch an und es gibt ihn auch von privater Seite.

Diskussion ohne klaren Entscheid
 
Die Diskussion brachte keinen klaren Entscheid. Einerseits wäre man für jedes Kind froh, wenn es die ausserschulische Zeit betreut verbringen könnte. Andererseits muss eben — und dies leider — auch die Kostenfrage berücksichtigt werden. In Anbetracht der kleinen, nur eine Handvoll zählenden Interessierten kann, so Martin Pfenninger, Präsident des Dorfvereins, keine repräsentative Stellungnahme aus Gattikon bekannt gegeben werden. Wichtig aber wäre es, wenn viele Stimmberechtigten zur Gemeindeversammlung am 19. September erschienen, geht es hier doch um einen Entscheid von grosser Tragweite.
Wie auch immer das Resultat ausfällt, so Daniel Tewlin, das neue Volksschulgesetz hat einen Auftrag.

***   

Die Gemeindeversammlung hat am 19. September 2002 die Initiative für eine öffentliche Tagesschule abgelehnt. Das Resultat fiel mit 148 Nein zu 145 Ja so knapp aus, dass eine Nachzählung beantragt wurde. Diese ergab mit 152 Nein zu 142 Ja ein etwas deutlicheres Resultat. Gemeinderat und Schulpflege empfahlen die Initiative zur Ablehnung. Sie verwiesen auf das bestehende Angebot ausserschulischer Betreuung mit Hort und Mittagstisch. Bereits 1986 war ein Vorstoss für eine Tagesschule gescheitert.